Musik und Vereinsleben im Ausnahmezustand

Es fehlen nur noch große weiße Tücher, die die Möbel bis zur Rückkehr der Bewohner bedecken und behüten: fertig wäre die Filmkulisse. Im Halbdunkel stehen die Pauken und Röhrenglocken, das Xylophon und das Drum Set und scheinen auf Besuch zu warten. Im Gemeinschaftsraum bedrückende Stille, im Eingangsbereich der Terminkalender mit Stand Februar 2020.

Seit einem Jahr herrscht Ausnahmezustand bei der Musikkapelle St. Vitus Burglengenfeld.

Es hätte seit März 2020 auch keinen neuen Terminplan gebraucht, da sämtliche Auftritte abgesagt wurden. Ob Pfarrfest oder Brauereijubiläum, Burschen- oder Feuerwehrfest, Maidult oder Weihnachtsmarkt. Selbst das traditionell fulminante Festkonzert in der Stadthalle musste entfallen. Auch große Einnahmen sind dem Orchester dadurch verloren gegangen, die über Zuschüsse und Corona-Hilfen nur ein wenig ausgeglichen wurden.

„Dass wir für unsere Probenräume und auch für unser Konzert ein perfektes Bestuhlungs- Hygienekonzept hatten, versteht sich ja von selbst. Aber wie alle anderen auch können wir uns nur den gegebenen Vorschriften anpassen und müssen unsere Arbeit und unser Hobby weitgehend ruhen lassen,“ klagt Erster Vorsitzender Stefan Huttner sein Leid. „Wenigstens konnten wir mit einigen Freiluftproben im Sommer ein Standkonzert vorbereiten. Die vielen Besucher auf der Piazza, ihr Zuspruch und Applaus haben uns schon sehr gut getan.“

Aber die Musikkapelle St. Vitus wäre nicht die Musikkapelle St. Vitus, wäre sie nicht dennoch und trotz harter Lockdown-Bedingungen eifrig und aktiv.

„Natürlich besorgt es uns, wenn auch das Hobby Musik noch zusätzliche Bildschirmzeit verursacht, aber wir sind trotzdem sehr froh, dass Kinder, Eltern, Ausbilder und Dirigenten so gut mitmachen und die Online-Proben eine sehr schöne Abwechslung darstellen und ein Kontrastprogramm zur Stille im Probenraum.“ Vor allem sei gut zu beobachten, dass selbst die jüngsten Instrumentalisten ihre Online-Proben inzwischen meist selbstständig auf die Beine stellen können.

Der technische Fortschritt hat also auch bei der Burglengenfelder Blasmusik Einzug gehalten, sowohl bei der technischen Ausstattung als auch bei der Durchführung der Proben. Viele Registerausbilder haben sich mit neuester Übertragungstechnik für Musik ausgestattet und selbst die Gesamtproben der einzelnen Orchester finden statt. „Anfangs ist das schon sehr gewöhnungsbedürftig, wenn die Orchestermitglieder nur als kleine Kacheln am Bildschirm vor dem Dirigenten sitzen,“ so Günter Moser, langjähriger Dirigent des Orchester und großer Motivator in Zeiten der Pandemie. Er bereitet die Gesamtproben des Konzertorchesters nicht nur musikalisch, sondern auch technisch vor, sodass bei allen ein richtiges Probenfeeling aufkommt. „Schön zu sehen ist, dass auch hier jeder gerne seine Kenntnisse beisteuert und digital mit anpackt, wie im echten Vereinsleben der Musikkapelle St. Vitus: Ob Einzelstimmmen aufnehmen, zusammenschneiden und mischen, technische Übertragungswege optimieren oder die Organisation des gesellschaftlichen Teils der Proben – alle ziehen nach Kräften mit.“


Bildnachweis Onlineprobe: Ralph Conrad

Auch für die weiteren Orchester ist immer was geboten und vor allem die Jugendvorstandschaft sprüht vor Engagement. Selbst der legendäre Kinderfasching der Kapelle fiel nicht dem Lockdown zum Opfer. Statt im großen Proberaum hüpfte das 1,94m große Einhorn eben auf der einen Seite des Laptops und die strahlenden Augen der kleinsten Vitusmitglieder grinsten per Webcam zurück. Trotzdem freuen sich alle auf die Rückkehr in den echten Proberaum und richtige Proben.

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