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Mehr ist mehr – Jazz im Städtedreieck
Burglengenfeld. „How can less be more? More is more.“
Diesem alten musikalischen Grundsatz folgend, hat man sich beim Jazzorchester Burglengenfeld entschieden: Eine kleine Jazzcombo reicht nicht. Es braucht eine immense Ansammlung von Musikerinnen und Musikern. Von allem viel. Und davon noch mehr.

Am 7. November in Unterschleißheim und am 8. November im VAZ Burglengenfeld trifft diese Ansammlung auf Goldberg aus Freising – eine Brassband, die ebenfalls wenig Interesse daran zeigt, sich in eine übersichtliche musikalische Schublade zu legen.
Hip-Hop? Gerne. Indierock? Warum nicht. Fusion Jazz, Electro, Brass? Selbstverständlich. Ein mittelschwerer Blumenkohl? Musikalisch bislang nicht vorgesehen.
Stilistische Ordnung wird ohnehin überschätzt.
Dass es im Städtedreieck überhaupt ein Jazzorchester gibt, ist der Musikkapelle St. Vitus Burglengenfeld zu verdanken. Der Verein hat sich 2025 auf das Experiment eingelassen, unter seinem Dach neben traditioneller Blasmusik einen großen Jazzklangkörper entstehen zu lassen – mit viel musikalischer Freiheit und ausdrücklich erwünschten Ausflügen über Genregrenzen hinweg.
Das ist durchaus bemerkenswert. Denn wo andernorts noch diskutiert wird, ob das jetzt Jazz, Funk, Rock, Brass oder überhaupt zulässig ist, sagt man bei St. Vitus offenbar:
Ja.
Die künstlerische Leitung liegt bei Jörg Hartl. Der Trompeter, Komponist und Arrangeur bringt reichlich Bigband-Erfahrung mit und ist als langjähriger Trompeter von LaBrassBanda ohnehin daran gewöhnt, dass musikalische Schubladen hauptsächlich dazu da sind, sie nicht zu benutzen.
Hartl schreibt und arrangiert einen wesentlichen Teil der Musik selbst. Und so gibt es modernen Bigband-Jazz, vor allem Eigenkompositionen und eigene Arrangements, Improvisatition, Groove und einen recht einfachen Plan:
Mehr Jazz im Städtedreieck.
Mehr Blech. Mehr Holz. Mehr Rhythmus. Mehr eigene Musik. Mehr Töne. Gelegentlich auch mehr Töne gleichzeitig.
Tröööt.
Das musste an dieser Stelle gesagt werden.
Denn warum sollte man sich entscheiden, wenn man einfach alles haben kann?
Nach dem Debüt 2025 mit der Bigband Dachau geht das Jazzorchester damit in sein zweites Jahr. Diesmal also Goldberg.
Brassband tritt Bigband. Freising tritt Burglengenfeld. Viel tritt noch mehr.
Was dabei herauskommt?
Jazz vermutlich.
Vielleicht auch etwas anderes.
Das entscheiden im Zweifelsfall die Posaunen.
Los geht es am Samstag, 7. November, in Unterschleißheim. Am Sonntag, 8. November, folgt das Heimspiel im VAZ Burglengenfeld.
Alternativ kann man natürlich zu Hause bleiben, sich dem Tatort hingeben und darauf hoffen, dass dort endlich einmal jemand einen alterierten Dominantseptakkord spielt.
Oder Tuba.
Oder Blumenkohl.
Die Chancen stehen schlecht.
How can less be more?
More is more.
Tröööt.
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E.Weiszhar
Mit Musik Brücken geschlagen
Musikkapelle St. Vitus gab im Burglengenfelder Kino ein Freundschaftskonzert
Von Josef Schaller, Burglengenfeld.
„Musik ist die gemeinsame Sprache der Menschheit.“ Dieses Zitat des amerikanischen Schriftstellers Henry Wadsworth Longfellow beschreibt treffend die langjährigen Freundschaften der Musikkapelle St. Vitus mit dem Hanazono High School Orchestra aus Kyoto und der Musikkapelle Harmonie Laura aus Landgraaf in den Niederlanden.
Es sind Freundschaften, die vor 50 beziehungsweise 25 Jahren entstanden und trotz Sprachschwierigkeiten bis heute aufrechterhalten wurden. Am Wochenende feierte die Musikkapelle St. Vitus diese langjährigen Beziehungen mit einer zweitägigen Jubiläumsveranstaltung im Burglengenfelder Kino. Die technische Ausstattung machte es möglich, dass auch die befreundeten Orchester via Liveschaltungen mitfeiern konnten.
Drei Wahrzeichen wurden auf die Leinwand projiziert.
Schon das Begrüßungsbild, entworfen von Johannes Liebl, das vor dem Festakt auf die Leinwand projiziert wurde, war Ausdruck der großen Verbundenheit zwischen der Musikkapelle aus Burglengenfeld und den befreundeten Orchestern aus Japan und den Niederlanden. Es zeigte drei typische Wahrzeichen aus den jeweiligen Herkunftsorten. Dargestellt wurden die Burglengenfelder Burg, eine Windmühle für die niederländische Provinz Limburg und der Goldene Tempel von Kyoto.
Eröffnet wurde der Festakt feierlich mit der 20th-Century-Fox-Fanfare. Im Mittelpunkt standen die rund 60 Musiker des Symphonischen Blasorchesters der Musikkapelle St. Vitus, die, angeführt vom musikalischen Leiter und Chefdirigenten Adolf Huttner, mit einer beeindruckenden Vorstellung ihr Können unter Beweis stellten.
Die Werke hatten alle einen direkten Zusammenhang mit den freundschaftlichen Beziehungen und eine gemeinsame Geschichte. Der Marsch „Alte Kameraden“ wird immer gespielt, wenn die Musiker gemeinsam auf der Bühne stehen, wie Moderator Ralph Conrad, zugleich Musiker der Musikkapelle St. Vitus, erklärte.
Der Echo-Walzer und die Komposition „Tirol 1809“ sind auch Teil einer Schallplattenaufnahme eines internationalen Jugendmusikfestivals in Harrogate in England 1976. Dort war die Freundschaft zur Hanazono Highschool Band durch deren damaligen Kapellmeister Kunio Niida, den damaligen musikalischen Leiter der Burglengenfelder Musikkapelle, Ludwig Lammel, sowie deren damaligen Vorsitzenden Josef Rödl begründet worden.
Das Stück „I’ll walk with God“ war der niederländischen Musikkapelle gewidmet. „Der langjährige Dirigent, der Holländer, Patrick Letterle, hat das Lied einst für Blasorchester arrangiert und uns eine Ausgabe davon geschenkt“, wie Conrad erklärte. Der Königsmarsch von Richard Strauß sollte an das erste gemeinsame Konzert mit den Holländern 2001 erinnern.
Alles begann bei einem Treffen im Bayerischen Wald.
Der Beginn der Freundschaft mit der Musikkapelle Harmonie Laura hatte einen außergewöhnlichen Ursprung. Ein zufälliges Treffen zwischen dem damaligen Vorsitzenden der holländischen Musikkapelle mit dem Burglengenfelder Josef Kraus während eines Winterurlaubes im Bayerischen Wald 1982 brachte Jahre später die Musikvereine zusammen.
Das musikalische Highlight des Festaktes war jedoch die Uraufführung von Marianne Zaindls extra komponiertem dreiteilige Werk „Amity“, bei der alle drei Orchester per Videoeinspielung mitwirkten.
Neben aufgezeichneten Interviews mit Vertretern der drei Musikvereine, die via Videoeinspielung gezeigt wurden, gab es auch Live-Schaltungen nach Landgraaf und nach Kyoto.
„Wir freuen uns von ganzem Herzen, dass der freundschaftliche Austausch mit der Musikkapelle St. Vitus begann“, sagte der japanische Dirigent Hayataka Hun. Der Vorsitzende des
niederländischen Orchesters, Attila Oroszi, bezeichnete die Verbindung mit den Burglengenfelder Musikern als eine ganz besondere Freundschaft.
Grußworte, die ebenfalls per Videos eingespielt wurden, gab es vom bayerischen Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt, Landrat Thomas Ebeling und Bürgermeister Martin Antretter. Alle drei gratulierten der Kapelle St. Vitus und dankten ihr für ihren Einsatz. „Schön zu sehen, wie Musik die Nationen verbindet“, so Gotthard.
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